Zimmersuche in Karlsruhe – worauf Sie achten sollten
Karlsruhe hat über 30.000 Studenten an neun Hochschulen. Der Wohnungsmarkt ist angespannt und für Studienanfänger oft unübersichtlich. Als Betreiber von zwei Studentenwohnheimen und einem Haus mit Studenten-WGs bekomme ich seit Jahren mit, wie mühsam die Suche nach einem Zimmer sein kann – und wie leicht man dabei auf unseriöse Angebote hereinfällt. Ein paar Hinweise aus der Praxis.
Die Ausgangslage
Der Karlsruher Wohnungsmarkt ist für Studenten kein einfaches Pflaster. Das Studierendenwerk verwaltet knapp 2.700 Wohnheimplätze – bei einem Bedarf von über 30.000 Unterkünften reicht das bei weitem nicht aus. Wer keinen Platz im Studierendenwerk bekommt oder bei einem an die Hochschule angeschlossenen Wohnheim, wie zum Beispiel bei der Musikhochschule, der ist auf den privaten Markt angewiesen. Und dort trifft man oft auf auf Angebote, wo Preis und Leistung nicht zusammenpassen.
Das soll Sie nicht entmutigen. Karlsruhe hat im Vergleich zu München, Stuttgart oder Freiburg noch moderate Mieten. Und es gibt durchaus faire Angebote – man muss nur wissen, wo man sucht und worauf man achtet.
Wo Sie suchen können
Die wichtigste Anlaufstelle ist die Privatzimmervermittlung des Studierendenwerks Karlsruhe. Dieser Service ist kostenlos und vermittelt jährlich zwischen 2.500 und 3.000 Zimmer von privaten Anbietern an Studierende. Die Angebote dort sind in der Regel seriös, weil das Studierendenwerk als Vermittler fungiert. Unser Angebot finden Sie dort aber seit Jahren schon nicht mehr. Der Grund: Über unsere Web-Präsenz erhalten wir auf das Wintersemester hin regelmäßig so viele Anfragen, dass wir so schon viele abweisen müssen.
Darüber hinaus gibt es die bekannten Online-Portale wie WG-Gesucht, Immobilienscout24, Immonet und Immowelt. Dort ist die Auswahl größer, aber auch das Risiko, auf unseriöse Angebote zu stoßen. Keine so schlechte Informationsquelle sind die guten alten Schwarzen Bretter an den Hochschulen – dort inserieren häufig Vermieter, die selbst einen Bezug zur Universität haben.
Vorsicht vor Betrug
Ich muss dieses Thema leider ansprechen, denn es betrifft jedes Jahr aufs Neue Studienanfänger in Karlsruhe. Das Studierendenwerk warnt ausdrücklich davor, dass Studenten bei der Wohnungssuche immer wieder Opfer von Betrügern werden. Das Landeskriminalamt Baden-Württemberg hat eigens ein „Informationsblatt für Studierende“ erstellt, weil das Problem so verbreitet ist.
Die Maschen sind oft ähnlich: Eine Wohnung wird zu einem auffällig günstigen Preis angeboten. Auf Nachfrage heißt es, der Vermieter sei leider gerade im Ausland und könne keine Besichtigung anbieten – aber gegen Vorabüberweisung der Kaution werde der Schlüssel zugeschickt. Manchmal wirken die Inserate täuschend echt, mit professionellen Fotos und einer plausiblen Adresse. Trotzdem ist das Geld weg, sobald man es überwiesen hat.
Der Preis ist zu gut. Eine möblierte Einzimmerwohnung in guter Lage für 300 Euro warm? In Karlsruhe leider unrealistisch. Wenn ein Angebot deutlich unter dem ortsüblichen Niveau liegt, sollten alle Alarmglocken läuten.
Keine Besichtigung möglich. Ein seriöser Vermieter wird Ihnen immer eine Besichtigung anbieten. Wer die Wohnung nicht zeigen kann oder will, hat in der Regel etwas zu verbergen – nämlich dass die Wohnung gar nicht existiert oder ihm nicht gehört.
Geld im Voraus. Überweisen Sie niemals Geld, bevor Sie die Wohnung persönlich besichtigt und einen Mietvertrag unterschrieben haben. Keine Kaution, keine „Reservierungsgebühr“, nichts. Eine Mietkaution wird erst bei oder nach Vertragsabschluss fällig – niemals vorher.
Worauf es bei der Auswahl ankommt
Wenn Sie ein Zimmer oder eine Wohnung gefunden haben, die echt und bezahlbar aussieht, prüfen Sie vor dem Vertragsabschluss einige Dinge:
Lage und Anbindung. Karlsruhe ist eine kompakte Stadt mit einem gut ausgebauten Stadtbahnnetz. Durlach, die Südstadt und die Weststadt sind bei Studenten besonders beliebt. Aber auch Stadtteile, die auf den ersten Blick weiter weg wirken, können dank der Straßenbahn gut angebunden sein. Schauen Sie sich die Fahrzeit zum KIT oder zu Ihrer Hochschule an – das ist im Alltag wichtiger als die reine Entfernung.
Nebenkosten. Die Kaltmiete allein sagt wenig aus. Fragen Sie genau nach, was in den Nebenkosten enthalten ist und was nicht. Internet, Strom, Heizung, Wasser, Müllgebühren – das summiert sich schnell. In manchen Unterkünften ist alles in einer Pauschale enthalten, in anderen kommt monatlich noch ein dreistelliger Betrag obendrauf.
Möblierung. Wer erstmals von zuhause auszieht, unterschätzt oft, was eine Erstausstattung kostet. Ein Bett, ein Schreibtisch, ein Schrank, eine Matratze, Lampen – und dann noch Geschirr und Küchenutensilien. Möblierte Zimmer sind auf den ersten Blick teurer, auf den zweiten Blick spart man sich mehrere hundert Euro an Anschaffungskosten. Und beim Auszug hat man kein Möbelproblem.
Vertragslaufzeit. Achten Sie darauf, ob der Mietvertrag befristet oder unbefristet ist und welche Kündigungsfristen gelten. Gerade bei WG-Zimmern wird gelegentlich „auf Handschlag“ vermietet – das mag unkompliziert wirken, bietet Ihnen aber im Streitfall nicht ausreichend Schutz.
Ein Wort zur Ehrlichkeit
Ich schreibe diesen Artikel natürlich auch als Vermieter, der selbst Zimmer für Studenten anbietet. Deshalb will ich transparent sein: Wir sind nicht die günstigste Option auf dem Markt, und das war auch nie unser Anspruch. Was wir bieten, sind voll möblierte Zimmer mit einer Betriebskostenpauschale, in der fast alles enthalten ist – von Internet über Heizung bis zur Reinigung der Gemeinschaftsbereiche. Und wir sind persönlich ansprechbar, wenn etwas nicht stimmt.
Ob das zu Ihnen passt, müssen Sie selbst entscheiden. Was ich Ihnen aber unabhängig davon mitgeben möchte: Nehmen Sie sich für die Zimmersuche Zeit, lassen Sie sich nicht unter Druck setzen und vertrauen Sie Ihrem Bauchgefühl. Wenn etwas zu gut klingt, um wahr zu sein, ist es das meistens auch.
