Messenger-Empfehlung?

Inzwischen hat es sich ja hinreichend herumgesprochen. Mark Zuckerberg ist wild entschlossen, die Nutzerdaten des derzeit verbreitetsten und (noch) beliebtesten Messenger-Dienstes WhatsApp kommerziell zu verwerten. Der Facebook-Konzern bricht damit sein Versprechen, das er den WhatsApp Nutzern bei Übernahme des Dienstes im Jahr 2014 gegeben hat. Inzwischen werden die WhatsApp Anwender genötigt, neuen Allgemeinen Geschäftsbedingungen zuzustimmen, die dem Mutterkonzern eine sehr weitgehende Datennutzung erlauben. Wer sich weigert, den entsprechenden Dialog in der Anwendung zu bestätigen, dem werden jetzt in Stufen, nach und nach, alle Funktionen des Programms abgeschaltet.


Viele Anwender haben bereits reagiert und sind zu anderen Messenger-Diensten abgewandert. Und da gibt es viel Auswahl. Wer sich einen Überblick verschaffen will, findet unter https://en.wikipedia.org/wiki/Comparison_of_cross-platform_instant_messaging_clients eine nahezu vollständige Liste vor.

Für die Häuser H1 und O11 suche ich seit geraumer Zeit nach einer Lösung, die für die spontane Kommunikation (Waschmaschinenmarken etc.) etwas weniger „sperrig“ ist. Ich meine im Vergleich zur aktuellen Lösung im Forum unserer Website. Ein Messenger wäre für viele bestimmt ideal. Zumal die Information dann auch per Push-Nachricht auf einem Smartphone empfangen werden kann. Dass WhatsApp nicht in Frage kommt, versteht sich inzwischen von selbst. Deshalb habe ich mich intensiv mit den möglichen Alternativen beschäftigt.

Was gar nicht geht

Um aus der vorhandenen Vielzahl einen geeigneten Messenger empfehlen zu können, habe ich eine Reihe von Kriterien aufgestellt, die ich für wichtig erachte. Als nicht akzeptabel bewerte ich dabei das Verhalten einiger Messenger, wobei ungefragt sämtliche Kontakte (nicht nur, die auch den Messenger nutzenden) im Telefonbuch des Smartphones an den Server des Diensteanbieters übertragen. Bereits 2017 hat das Amtsgericht Bad Hersfeld festgestellt, dass die Nutzung von solchen Messengern illegal ist. Auseinandergesetzt hat sich dieses Amtsgericht seinerzeit mit dem WhatsApp Messenger, der genau dieses Verhalten an den Tag legt. Wer sich über den juristischen Hintergrund informieren will, findet unter https://www.youtube.com/watch?v=f_xmQBzQe3I einen guten Einblick in dieses Thema.

Auf eine kleine Bequemlichkeit muss man allerdings verzichten, wenn der Erstkontakt per Messenger nicht über die Telefonbücher von Smartphones geht. In der Regel muss der Kontakt dann über gegenseitige Einladung oder über den Austausch der eigenen Messenger-Adresse (ähnlich einer Email-Adresse) hergestellt werden. Dies hat aber auch Vorteile. Man kann auch teilnehmen, wenn man überhaupt kein Smartphone besitzt. Weil eine Telefonnummer nicht vorausgesetzt wird, ist die Teilnahme auch mit einem Computer oder einem Tablet-PC oder Ipad möglich.

Sicherheit wird immer wichtiger

Eine weitere wichtige Forderung an den Messenger war die Ende-zu-Ende Verschlüsselung. Ich möchte nicht, dass meine Kommunikation über das Internet von Hinz und Kunz mitgelesen werden kann. Deshalb ist die Verschlüsselung auf dem gesamten Kommunikationsweg heute Standard. Kaum zu glauben, dass es noch immer Messenger gibt, die das nicht unterstützen.

Selbst sehr verbreitete Messenger wie Telegram übertragen in der Voreinstellung unverschlüsselt. Ein modernes Kommunikationsmedium sollte „Security by Design“ als Grundlage haben. Datensicherheit ist keine Option, die man anschalten muss. Deshalb (und wegen weiterer Sicherheitsprobleme) ist Telegram durchgefallen.

Was sonst noch wichtig ist

Asynchrone Kommunikation ist eine der Mindestanforderungen. Damit ist gemeint, dass Nachrichten zwischengespeichert und später zugestellt werden, wenn der Empfänger gerade nicht erreichbar (offline) ist. Leider gibt es noch immer Kandidaten, die das nicht können.

Die nächste Forderung war die nach einem Gruppenchat. Mindestens private Gruppen muss man erstellen können, die sicher und unkompliziert miteinander kommunizieren können. Auch Telefon- und Videoanrufe standen auf der Wunschliste, und auch Voice-Messages, um den Funktionsumfang abzurunden.

Die letzte und nicht ganz unwichtige Forderung war die der Plattformunabhängigkeit. Der Messenger sollte auf den verbreitetsten Smartphones laufen (also Android und IOS) und auch auf den wichtigsten Rechnerbetriebssystemen Windows, MAC OS, Linux, idealerweise auch noch im Webbrowser.

Meine Empfehlung

In die engere Wahl kamen am Ende nur noch zwei Messenger Systeme. Zum einen ist es Wire https://wire.com/de/products/personal-secure-messenger/ und dann Matrix Element https://element.io/. Entschieden habe ich mich für Element. Die Website des Anbieters ist zwar nicht mehrsprachig, um die Anwendung herunterzuladen sollte man also ein paar Brocken englisch verstehen. Die Anwendung selbst verfügt schon über eine deutschsprachige Oberfläche. Leider fehlt auch (noch) die Möglichkeit, Voice-Messages zu versenden. Ansonsten bietet Element aber alles, was oben auf der Anforderungsliste steht vorbildlich.

Ausschlaggebend für meine Entscheidung war das offene Konzept. Nicht nur, dass die Anwendung komplett Open-Source ist und von einer sehr agilen Community ins Leben gerufen wurde und weiterentwickelt wird. Die Anwendung ist auch nach allen Seiten offen mit Schnittstellen zu anderen Welten wie Slack und Microsoft Teams. Element basiert auf Matrix, einem offenen Standard, für den es Verbindungen (Bridges) zu Discord, Telegram, Skype, IRC und sogar WhatsApp gibt (https://matrix.org/bridges/). In wieweit diese Schnittstellen in Element schon nutzbar sind, kann ich nach meinen kurzen Tests noch nicht sagen, aber die grundsätzliche Offenheit ist ein Alleinstellungsmerkmal, das keiner der Mitbewerber aufweist.

Ein weiteres dickes Pro-Argument ist die Möglichkeit der dezentralen Installation. Jeder, der einen kleinen Server betreibt, kann seinen eigenen Matrix-Server in Betrieb nehmen. Für sein Unternehmen, seine Community, seinen Verein und kann damit eine private Insel für Element Nutzer schaffen. Verantwortungsvoll betrieben ist dieses in Punkto Datensicherheit nicht mehr zu übertreffen. So ist es auch nicht überraschend, dass der Element Messenger allmählich auch von den Universitäten entdeckt und genutzt wird. Unter https://youtu.be/AtkA-sE-9uU?t=5 finden Sie ein Einführungsvideo der TU Dresden zum Matrix (Element) Web Messenger.

Für die beiden Wohnheime H1 und O11 soll noch in diesem Sommer ein lokaler Server in Betrieb gehen, der von den Bewohnern kostenlos genutzt werden kann. Als ersten Schritt empfehle ich, den Messenger mit einem Account bei matrix.org anzumelden (wird bei der Installation automatisch vorgeschlagen). Eine Installationsanleitung finden Sie unter https://www.youtube.com/watch?v=FfmL8BFXNe4&t=57s . Etwas hakelig hat sich bei mir die „Bestätigung vom zweiten Gerät aus“ gestaltet. Da der Messenger die Messlatte für Sicherheit sehr hoch hängt, müssen weitere Geräte sich am Anfang gegenseitig bestätigen. Ich empfehle daher, den ersten Account auf einem Computer anzulegen und dann einen zweiten auf einem beliebigen Mobilgerät.

Für Wohnheimbewohner folgen weitere Infos im nicht öffentlichen Bereich dieser Website.

Das könnte dich auch interessieren …